Warum ich alle ETF verkauft habe

Warum ich alle ETF verkauft habe

Bye, bye passive Indexfonds

Ich habe es getan! Nach nun zweieinhalb Jahren habe ich mich von den letzten beiden ETF getrennt, die ich noch in meinem Wertpapierdepot hatte.

Beide stammten aus der Zeit, in der ich aktiv begann, mich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen. Meine beiden ersten größeren Investments in den MSCI World und Emerging Markets Index.

Bevor ich im Jahr 2015 begann mein Geld in diese Indexfonds zu stecken, verbrachte ich viele Tage mit der Recherche. Ich las alles, was im Internet zu diesem Thema zu finden war. Ich kaufte mir das Buch von Gerd Kommer – „Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs“ und verschlang es.

Dann habe ich anfangs, über mehrere gestaffelte Einzelkäufe, meine Position aufgebaut. Später dann auch über Sparpläne, monatlich einen festen Betrag bespart.

Heute, im September 2017, habe ich mich nun endgültig von der Strategie, des passiven Investierens, verabschiedet.

Aber ich möchte gleich eines vorweg sagen: Ich glaube weiterhin daran, dass es für die breite Masse der Privatanleger die beste und effektivste Strategie ist, um am Aktienmarkt, langfristig betrachtet, eine Rendite von 5% bis 8% pro Jahr zu erzielen, unter gewissen Voraussetzungen, auf die ich weiter unten im Text näher eingehen werde.

Ich möchte heute aber einige der Gründe dafür auflisten, warum ich mich persönlich jedoch von der Strategie, des passiven Vermögensaufbau, verabschiedet habe und nun ausschließlich den aktiven Ansatz verfolge.

 

Weiterentwicklung meiner Investmentstrategie

Der wichtigste Punkt natürlich gleich zuerst. In den letzten Jahren, in denen ich nun hauptsächlich in passiven Indexfonds investiert war, habe ich mich sehr intensiv mit Thema des Value-Investing beschäftigt. Ich bin von der Strategie überzeugt und ich glaube, das notwendige Mindset, sowie die Disziplin zu haben, um diese Strategie langfristig erfolgreich verfolgen zu können. Bereits Anfang des Jahres habe ich damit begonnen, vermehrt in Einzelaktien zu investieren.

Hauptsächlich investiere ich in US-Unternehmen, mit einer hohen Marktkapitalisierung und einer langen Historie. Mir ist ebenfalls sehr wichtig, eine regelmäßige Dividende zu erhalten. Diese reinvestiere ich dann natürlich wieder in mein Depot. Langfristig möchte ich mir ein Portfolio aufbauen, das durch die Dividendenzahlungen meine monatlichen Fixkosten deckt. Damit möchte ich, langfristig gesehen, finanziell unabhängiger werden.

Wenn eines der Unternehmen an dem ich interessiert bin und das meine Kriterien erfüllt zu einem fairen Preis gehandelt wird, investiere ich schrittweise und baue mir eine Position auf. Mein Ziel ist es, etwa 20 gute Aktientitel im Depot zu haben, die stabiles Dividendenwachstum generieren und langfristig erfolgreich sein werden, in ihrem jeweiligen Marktsegment.

Ich habe festgestellt, dass ich mich mit dieser Strategie sehr wohl fühle. Die Dividendenzahlungen haben zusätzlich einen positiven Effekt auf meine Motivation.

Die wichtige Erkenntnis, zu der ich nun gelangt bin, ist, dass es unheimlich wichtig ist, sich mit der eigenen Strategie wohl zu fühlen. Es macht nur wenig Sinn, eine Strategie zu verfolgen, von der man nicht 100% überzeugt ist oder mit der man sich nicht 100% wohl fühlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dann nicht die Konsequenz hat diese erfolgreich und langfristig umzusetzen ist sehr hoch. Genauso wie das Risiko, dadurch mehr Geld zu verlieren, als zu verdienen.

 

Aufbau der Bar-Reserve

Wie ich bereits in einigen meiner früheren Beiträge erwähnt habe, glaube ich, dass wir uns langsam dem Ende des aktuellen Wirtschaftszyklus befinden und eine Korrektur zwangsläufig unausweichlich kommen wird. Ich bin kein Fan von Crashspropheten und beschreie es daher nicht. Es könnte schließlich auch noch Monate oder gar Jahre so weiter aufwärts gehen. Ich möchte dennoch gewappnet sein, sollte die Korrektur kommen.

Daher ist es mir wichtig, nicht immer vollständig investiert zu sein, sondern auch Cash für den Crash zu haben. Bei der passenden Gelegenheit, möchte ich zuschlagen können. Mit der Neuausrichtung meiner Strategie und diesem Aspekt, war es eine gute Gelegenheit, durch den Verkauf meiner ETFs diese Bar-Reserve weiter aufzustocken. Dazu konnte ich auch noch einen netten Gewinn im vierstelligen Bereich realisieren.

 

Steuerlicher Aspekt

Die thesaurierenden ETFs, die ich hielt, waren unter steuerlichen Gesichtspunkten nicht unbedingt attraktiv, zumindest nicht für mich. Der Grund liegt darin, dass die Ertragsthesaurierungen in steuerlicher Hinsicht als sogenannte „Ausschüttungsgleiche Erträge“ behandelt werden. Auch wenn kein Geld ausgezahlt wird, wie es bei Dividenden der Fall ist, muss dieser thesaurierte Betrag doch versteuert werden, in der jährlichen Einkommenssteuererklärung.

Wenn man den ETF dann nach 20 Jahren verkauft, muss man dem Finanzamt nachweisen können, dass diese Erträge bereits versteuert worden sind. Das Ganze ist erforderlich, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Was viele andere Menschen vielleicht nicht kümmert, hat mich jedoch erheblich gestört. Natürlich wusste ich es von Anfang an, dass es so sein würde. Allerdings habe ich mich damals nicht zu sehr von diesem steuerlichen Aspekt beeinflussen lassen.

Dividendenzahlungen hingegen, sind aus steuerlicher Sicht ziemlich unkompliziert. Der Broker führt die zu zahlenden Kapitalertragssteuern direkt ab und man muss sich darüber nicht weiter groß den Kopf zerbrechen.

2018 wird in Deutschland ein neues Gesetz zur Fondbesteuerung eingeführt. Mit den genauen inhaltlichen Details habe ich mich gar nicht erst näher beschäftigt, da ich meine Strategie ohnehin neu ausgerichtet habe. Aber es ist anzunehmen, dass es, wie bei ziemlich jedem neuen Gesetz, zu Mehraufwand, Mehrkosten oder anderweitigen Nachteilen für den Sparer kommen wird. Also nicht der Hauptgrund, aber einer von vielen Gründen, warum ich den Index-Fonds den Rücken gekehrt habe.

 

Bedenklicher Hype um ETFs

Um die passive Investmentstrategie, mit indexbasierten Fonds (ETF), ist in den letzten Jahren ein regelrechter Hype entstanden. Ich begann langsam diesen etwas kritischer zu hinterfragen. Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand und ich glaube generell, dass es ein gutes Instrument für den rationalen, langfristig orientierten Sparer sein kann. Schließlich hat Warren Buffett nicht umsonst verfügt, dass nach seinem Ableben, das Familienvermögen in einen ETF, auf den S&P 500, investiert werden solle.

Ein gewisser Hype und die mangelnden attraktiven Investmentalternativen, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld haben dazu geführt, dass auch viele Menschen angelockt wurden, die die generellen Risiken des Aktienmarktes gar nicht vollkommen verstanden haben oder sich ihnen überhaupt ausreichend bewusst sind.

Viele haben sich hier von der durchaus positiven Entwicklung der letzten Jahre hinreißen lassen. Ich bin sicher, dass viele ETF Sparer nicht das Mindset haben,  um auch in der Krise an ihrem Investment festzuhalten. Sehr viele von ihnen werden spätestens dann panisch ihre ETFs verkaufen, wenn der Markt mal über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen, Monaten oder gar Jahren signifikant nachgeben wird.

Sie verstehen schlicht und einfach das Risiko nicht, was mit einem Investment in Aktien einhergeht. Dass ihr ETF den Verlauf des zugrundeliegenden Vergleichsindex eins zu eins nachbildet, also auch wenn dieser im Wert abstürzt.

Mit einem Indexfond investiert man automatisch auch in Firmen, in die man einzeln im Leben niemals investieren würde. Auch moralische Aspekte können hierbei eine Rolle spielen, da man mit dem MSCI World auch in Firmen der Rüstungsindustrie investiert.

 

Leidenschaft, Disziplin und Geduld sind notwendig

Aktives Investieren erfordert die Bereitschaft, sich intensiv mit den einzelnen Firmen, in die man investiert ist, zu beschäftigen. Das kann und will natürlich der Normalsparer nicht unbedingt. Und das ist auch nachvollziehbar, da nicht jeder Spaß daran hat, sich Unternehmensbewertungen durchzulesen, Bilanzen zu studieren oder Fundamentalanalysen durchzuführen, um den intrinsischen Wert eines Unternehmens zu ermitteln.

Die Börse ist ein Instrument, um Geld von den ungeduldigen hin zu den geduldigen Investoren umzuverteilen, sagte einst Warren Buffett. Nur weil ich ein attraktives Unternehmen gefunden habe, in das ich investieren möchte, heißt es noch nicht, dass der Preis auch stimmt. Als Value-Investor will ich schließlich einen Unternehmensanteil kaufen der 100 Euro wert ist. Ich möchte aber möglichst nur 50 Euro dafür zahlen.

Man muss extrem viel Geduld mitbringen, um diesen Moment abzupassen und sein Geld nicht vorzeitig in überteuerte Aktien zu investieren. Der Moment kann aber äußerst selten nur in Erscheinung treten. Meist nur in Zeiten von hoher Aufregung und Unruhe an den weltweiten Aktienmärkten. Erst dann ist die Zeit für den Value-Investor gekommen, um zuzuschlagen und zu kaufen. Wenn alle anderen panisch verkaufen, dann kaufen wir. Dieses Handeln erfordert sehr viel Disziplin, die der Durchschnittssparer vermutlich nicht hat.

Ich musste feststellen, dass mich all diese Aspekte sehr reizen und ich eine Menge Freude daran habe mich täglich mit diesen Dingen auseinander zu setzen und einen extrem hohen Anteil meiner Freizeit diesem Thema zu widmen. Es ist für mich mehr als nur einfaches Sparen. Es ist zu einer Art Hobby geworden, eine Leidenschaft und diese ist sehr zeitintensiv. Zeit, welche die meisten Menschen nicht bereit sind dafür aufzuwenden. Natürlich wird auch erst die Zeit darüber entscheiden, ob ich mit der Strategie erfolgreich sein werde. Aber auch das wird sich erst in mehreren Jahren sagen lassen können.

Das waren die wesentlichen Gründe dafür, weshalb ich meine ETFs verkauft habe und nun ausschließlich auf Einzelaktien zum Vermögensaufbau setze.

Ich hoffe, euch hat dieser Artikel gefallen und natürlich bin ich wie immer auch daran interessiert deine Meinung zu diesem Thema zu hören.

Hinterlasse mir einfach einen Kommentar im Bereich unter diesem Artikel.

Bis dahin, euer Nullzinssparer.

9 Comments
  • ReichmitAktienBlog

    10. September 2017 at 1:57 Antworten

    Hallo Michael,

    beim lesen von dem Beitrag habe ich viele Parallelen festgestellt. Ich habe damals 2014 begonnen in ETFs zu investieren und las alles darüber was ich nur konnte. Bei mir waren es dann nahezu die gleichen Gründe, warum ich mich von ETFs verabschiedete. Wie soll man später beim Verkauf nachweisen, was bereits versteuert ist. Hinzu kommt der gleiche Aspekt wie bei dir, dass ich Spass daran habe mich mit betriebswirtschaftlichen sowie volkswirtschaftlichen Belangen auseinander zu setzen. Deshalb ist das sture investieren in ETFs ein wenig „langweilig“. Die Grundidee hinter ETFs finde ich aber auch nach wie vor sehr gut und empfehle jeden Anfänger dazu.

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Zielen.

    Gruß ReichmitAktienBlog.de

    • nullzinssparer

      10. September 2017 at 9:25 Antworten

      Vielen Dank für deinen Kommentar, da bin ich ja froh, dass ich nicht allein mit meiner Meinung bin. Ich stimme dir zu, ich würde jedem Anfänger wirklich eher zu ETFs raten und dann einen Sparplan stur besparen und nicht mehr anfassen. Für die meisten ist das aussichtsreicher als mit Einzelaktien rumzuspekulieren, teuer zu kaufen und im Crash alles zu verkaufen.
      Viele Grüße
      Michael

    • Benjamin

      9. Januar 2018 at 9:20 Antworten

      Hallo ReichmitAktienBlog.de
      (Hast du keinen Namen? Habe keine Lust auf deinem Blog zu schauen)

      „Wie soll man später beim Verkauf nachweisen, was bereits versteuert ist.“

      Ganz einfach: Man bewahrt seine Steuerbescheide und Erklärungen auf!

      Ansonsten bin ich aber eurer Meinung. Investieren in ETFs ist eine ziemlich langweilige Angelegenheit.
      Solange kein Crash kommt jedenfalls. Dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Übrigens auch bei euch und eurer Stockpicking Strategie. 😉

      Auf gutes Gelingen und stahlharte Nerven für uns alle!

      Viele Grüße
      Benjamin

  • thomas senf

    12. September 2017 at 8:41 Antworten

    Hallo Michael,
    für jemanden der sich gern mit Aktien beschäftigt sind ETF’s einfach zu langweilig. Ich persönlich würde mich auch als Value-Investor bezeichnen. Die Fragen, die man sich stellen muss sind: Bin ich ein guter Value-Investor? Bin ich besser als der Durchschnitt? Lohnt sich der ganze Aufwand des Value-Investing? Ich weiß es nicht. Ich verfolge daher zwei Ansätze. Ein ETF-Depot und eine Dividendenstrategie mit Einzelaktien. Das ETF-Depot besteht ausschließlich aus ausschüttenden ETFs und bildet damit die Brücke zur Dividendenstrategie.

    Wie du schreibst, man muss sich mit seiner Strategie wohl fühlen.

    Ich hoffe deine Strategie zahlt sich für dich aus. Mir wäre es zu riskant, nur auf US-Dividendenwerte zu setzen. Übrigens, nicht nur ETF’s sind gehypt. Aufgrund der Niedrigzinsen sind Dividendentitel ist aus meiner Sicht ein noch viel größerer Hype…

    Viel Erfolg
    Gruss
    Thomas

    • nullzinssparer

      12. September 2017 at 21:30 Antworten

      Hallo Thomas,

      deine Strategie klingt wirklich vernünftig. Du hast vollkommen Recht, sehr sehr viele Aktien sind im Moment extrem gehypt. Aus dem Grund findest du auch bei mir keine dieser Hype-Aktien wie z.B. P&G, JNJ, MCD, SBUX oder der König aller gehypten Aktien Coca Cola.

      Ob ich besser war als der Durchschintt, wird die Zukunft zeigen, jedenfalls gehe ich meiner Leidenschaft nach und habe Spaß dabei. Es wird sich jedoch nur rückblickend beantworten lassen. Ich gebe mir die größte Mühe rational zu bleiben und meiner Strategie zu folgen. Den Plan fest vor Augen.

      Das Verhalten im nächsten großen Aktien-Crash wird wohl maßgeblich darüber entscheiden. Ich bin aber optimistisch, da ich mehrere Jahre hatte, um mich drauf vorzubereiten und eine Strategie für diese Situation parat habe.

      Viele Grüße aus den Staaten.
      Michael

  • Christian H.

    12. Oktober 2017 at 8:39 Antworten

    Hallo Thomas,

    ich kann mich voll in Deinen Gründen für die Umschichtung wiederfinden. Auch ich habe mit ETF angefangen und verfolge die ETF Entwicklung sehr skeptisch.

    Was mir in andern Blogs/Foren stark aufgestoßen ist, dass eine Kritik oder der Ausdruck meiner Skepsis gegenüber ETF auf regelrecht hysterische Reaktionen stößt. Das hat meinen Eindruck von einem Hype deutlich untermauert.

    Meine ETF zu verkaufen, soweit bin ich allerdings nicht gegangen. Ich feile gerade an „meiner“ Strategie in Einzelwert zu investieren. Meine Strategie wird ist eine Dividendenstrategie mit „nachgelagertem Fundamentalcheck“ sein. Mir hat es die Dividendenstrategie von Dividendenadel.de sehr angetan.

    Also, meine ETF verkaufen werde ich nicht. Ich werde allerdings diese Positionen nicht wesentlich weiter ausbauen. Zunächst werde ich auch Cash aufbauen und dann sukzessive in günstige Einzelwerte investieren.

    Viele Grüße
    Christian H

    • nullzinssparer

      12. Oktober 2017 at 10:54 Antworten

      Hallo Christian,
      die Beobachtung musste ich auch machen. Seit einigen Jahren werden ETF stark gehypt. Natürlich gibt es gute Gründe dafür, allerdings sollte es doch auch möglich sein, sich mit dem Thema etwas distanzierter und kritisch auseinandersetzen zu können, ohne gleich einem Shitstorm ausgesetzt zu sein.

      Deine Strategie klingt vernünftig, ich handhabe es ja ähnlich. Ich hoffe du hast die notwendige Geduld und rationale Stärker, um diese günstigen Einzelwerte zu finden. Es ist dieser Tage wirklich nicht leicht Schnäppchen, oder zumindest fair bewertete Unternehmen, zu finden. Aber es kommen auch sicher wieder Zeiten, in denen das „Blut in den Straßen fließt“ und man gierig sein kann, wenn andere ängstlich sind.

      Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg dabei.
      VG Michael

  • Chris | Der Weg meiner Freiheit

    16. Oktober 2017 at 6:58 Antworten

    Hi Michael! Danke für den Beitrag. Ich sehe einiges anders, den Teil um die „Bedenklichkeit von ETF“ kann ich aber voll unterschreiben. Ich finde es ziemlich unverantwortlich, wie Aktien und ETF teils in Blogs angepriesen werden. Denn auch beim Indexing muss ich das Minus mitmachen im Fall des Crashs und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: mit Verlustaversion muss man erstmal klarkommen. Gerade wo die letzte Krise im Aktienmarkt 8 Jahre zurückliegt und es dann auch mal um 50% nach unten gehen kann.

    Ich sehe trotzdem ETF für mich als zielführendes Mittel zur langfristigen Anlage. Und nicht Stock Picking. Der Grund ist „mean reversion“ und vor allem, dass nur wenige Aktien die Indexe nach oben treiben. Aktien aussuchen ist immer die Wette darauf, dass die eigene Kaufentscheidung klüger ist als die der Mehrzahl der Marktteilnehmer. Ich kann bei mir jedenfalls klar aus der Erfahrung der letzten Jahre sagen: ich unterperforme mit individuellen Aktien den Marktdurchschnitt langfristig und bin nicht klüger als der Markt.
    Das Kaufen ist das eine. Auch da musst du erstmal wissen, ob ein Unternehmen gerade nur einen temporären Hänger hat oder in einer sich ausweitenden Krise steckt. Das andere ist das Halten: wenn du investiert bist, die Börse aber das Unternehmen anders beurteilt als du. Es ist keine Freude, wenn der Index steigt, aber dein Investment seitwärts oder abwärts vor sich her dümpelt. Und das über Jahre. Ich selbst fahre daher zweigleisig: Aktien und ETF mit Schwerpunkt auf letzterem für langfristige Anlagen.

    Wie auch immer: du wirst deine Erfahrungen machen, und das ist auch gut so! Dir viel Erfolg, ich werde sicher öfter reinlesen!

    • nullzinssparer

      11. November 2017 at 9:08 Antworten

      Hallo Chris, vielen Dank fürs reinlesen und deinen Kommentar. Du hast vollkommen Recht, mit dem was du sagst. Für den überwiegenden Teil der Privatanleger sind ETFs vermutlich die bessere Wahl, im Vergleich zu Einzelaktien und Market timing. Aber auch nur dann, wenn sie bei einer 50% Marktkorrektur dabei bleiben können und stur weiter kaufen. Die Wenigsten werden das mental durchstehen. Was bei mir noch dazu kam und weshalb ich mich u.a. von meinen ETFs verabschiedet habe ist, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich derzeit in den USA lebe und arbeite keine ETFs mehr kaufen und verkaufen hätte dürfen über meine depotführende Bank, für die Zeit im Ausland. Auch Dir weiterhin viel Erfolg und hoffentlich bis bald!
      Michael

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