GoPro-Aktie: Umgang mit Verlusten lernen

GoPro-Aktie: Umgang mit Verlusten lernen

GoPro-Kursabsturz

Seit knapp einem Jahr bin ich nun bereits in den US-Actionkamerahersteller GoPro investiert. Vom ersten Tag an kaufte ich die Aktien unter rein spekulativen Gesichtspunkten und nicht aus Sicht eines Value-Investors. Mir ist es wichtig, dieses Investment von vornherein richtig einzuordnen.

Der Kurs gab noch mehrfach nach im Verlauf von 2017 und ich habe insgesamt zweimal meinen Einstiegskurs, durch weitere Nachkäufe, verbilligt. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich die maximale Positionsgröße erreicht hatte. Ich habe immer bedeutend mehr Aufwärtspotenzial gesehen und an eine Wende geglaubt. Der Aktienkurs ist von seinem ehemaligen Hoch ($87) inzwischen sehr weit entfernt. Seit dem ist der Kurs um 92% eingebrochen und bewegt sich heute im Bereich von $6.

Anfang dieser Woche gab der CEO Nick Woodman bekannt, dass sich GoPro aus dem Drohnengeschäft verabschieden wird und über 250 Mitarbeiter entlässt. Das versetzte dem Kurs nochmal einen Schlag und zu Handelsbeginn am Montag rauschte der Preis um 30% herab.

In meinem Depot macht die Aktie einen Anteil von 3,5% aus. Mit Abstand handelt es sich hierbei die größte Verlustposition und sie steht mit -38% im Minus. Das entspricht einem vierstelligen Eurobetrag, einem Urlaub zu zweit auf Mallorca oder aber auch zweier Karma Drohnen, inklusive Hero 5 Black.

Sehr viele ehemals überzeugte GoPro-Investoren haben ihre teils horrenden Verluste realisiert und glauben damit offensichtlich nicht mehr an einen positiven Ausgang. Ich befinde mich nun selber in der Zwickmühle. Der Hauptgrund, warum ich an einen Turnaround geglaubt habe, ist nun weggefallen. Ich war davon überzeugt, dass GoPro im Drohnensegment einen zukunftsfähigen Markt für sich erschlossen hätte, mit einem enormen Wachstumspotential noch dazu.

Das Kapitel wurde aber diese Woche beendet. Da wäre es doch eigentlich nur konsequent, diese Position nun zu verkaufen, die Verluste zu realisieren und das übrig gebliebene Geld in ein erfolgversprechenderes Investment zu stecken?!

Andererseits, habe ich schon eine sehr hohe Bar-Reserve und finde kaum gute Investments, die fair bewertet sind, bzw. meinen Investment-Prinzipien entsprechen. Ich halte derzeit etwa 60% meines Depotwertes in Cash.

Mir widerstrebt es auch einen vierstelligen Verlust zu realisieren. Immerhin bricht das mit Regel Nr. 1 – „Verliere niemals Geld“ und Regel Nr. 2 – „Vergiss niemals Regel Nr. 1“.

Wie geht es weiter?

Die erste Möglichkeit wäre wohl, dass der Wert der GoPro-Aktie weiter stetig fällt und der Strom an schlechten Nachrichten nicht abreißt. Nur weil ein Aktientitel bereits extrem gefallen ist, bedeutet es nicht, dass dieser nicht auch noch weiter fallen kann. Im schlimmsten Fall, kann die Aktie um 100% fallen und alles Geld ist futsch. Hier ist es wichtig anzumerken, dass ich von vornherein nur so viel Geld reingesteckt habe, wie ich bereit war und weiterhin bin maximal zu verlieren. Trotzdem würde ich es natürlich vorziehen, dieses Geld nicht zu verlieren.

Die zweite Möglichkeit, die eintreten könnte, ist die einer Übernahme. Mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal noch 900 Millionen US-Dollar, könnten Giganten wie Apple oder Google das Unternehmen aus der Kaffeekasse heraus akquirieren. Die Marke GoPro selbst ist immer noch sehr stark und die Actionkameras sind mit Abstand die Besten im Markt, auch wenn es sehr viele Billigkopien inzwischen aus China gibt. Auch andere Unternehmen wie Garmin oder Sony könnten Interesse daran haben, GoPro zu übernehmen.

Bei einer Übernahme, bestünde wenigstens noch die Hoffnung, wieder auf plus minus null zu kommen. Im Schnitt werden bei Unternehmensübernahmen 25% – 40% Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs des zu übernehmenden Unternehmens gezahlt. Aber wer weiß das schon.

Mit dem Schiff untergehen: Ich bleibe weiterhin investiert!

Aus Mangel an Alternativen habe ich mich dazu entschieden, erst einmal weiter zu halten und abzuwarten. Vermutlich ist es immer das Beste, nichts zu tun, bevor man überstürzt etwas Dummes und Unüberlegtes tut. Eine Position im eigenen Depot um 38% abstürzen zu sehen ist jetzt nicht das tollste Gefühl. Ein Verlust fühlt sich immer schlechter an, als der Gewinn aller Einzelwerte, die im Plus stehen, zusammen.

Es gilt jetzt dem Fluchtinstinkt zu widerstehen. Buy and hold ist einfach, wenn die Aktie dick im Plus steht. Ich versuche entgegen der Massen zu handeln. Auch wenn ich vielleicht mit dem Schiff untergehen muss.

Vielleicht ist es sogar eine wertvolle Lektion, denn als langfristiger Investor an der Börse, muss man Verluste aushalten können. Sie lassen sich nicht vermeiden. Es wird der Tag kommen, an dem vermutlich auch mein gesamtes Depot mal mit 40% oder mehr im Minus stehen wird. Einen solchen Markt habe ich aktiv noch nicht erlebt. Wie viele andere Blogger, habe auch ich erst nach dem letzten Crash 2009 zu investieren begonnen. Wir befinden uns nun im zweitlängsten Bullenmarkt der Börsengeschichte überhaupt. Früher oder später wird es wieder zu einem längeren Bärenmarkt kommen. Das ist unausweichlich und war schon immer so.

Wer es schafft in einem Bärenmarkt zu investieren, obwohl „Das Blut in den Straßen fließt“ oder „Die Kanonen donnern“, kann sein Vermögen signifikant vermehren in der anschließenden Erholungsphase. Das ist auch mein Plan. Darum halte ich stets eine Bar-Reserve von ca. 50%.

Meine GoPro-Position werde ich nicht weiter aufstocken. Ich glaube nicht mehr wirklich daran, dass GoPro ein Tenbagger wird, worauf ich ursprünglich spekuliert hatte. Wenn ich irgendwie ohne Verlust herauskommen kann, bin ich zufrieden. Wer ein riskantes und spekulatives Investment auf einen möglichen Turnaround eingeht, kann sein eingesetztes Kapital verlieren. Man kann aber auch signifikante Gewinne erzielen, die mit einem weniger riskanten Investment nicht möglich gewesen wären.

Zum Glück war mir dieses Chancen-Risiko-Verhältnis bereits von Anfang an relativ klar. Wer kein Risiko wagt, kann auch nichts gewinnen. Allerdings muss man auch lernen, mit Verlusten umzugehen. Das Ganze bringt mich nicht um den Schlaf, ich versuche immer das Positive zu sehen. Auch wenn ich vielleicht etwas Geld liegen lasse, kann ich doch hoffentlich etwas daraus lernen. Vielleicht dreht sich das Blatt ja doch noch, an der Börse ist vieles möglich.

Ich halte euch jedenfalls auf dem Laufenden, wie es mit meinen GoPro-Aktien weiter geht.

Was würdest du machen? Verkaufen und Verluste begrenzen oder das Ganze versuchen auszusitzen, also stures Buy and Hold?

Lass es mich in einem Kommentar unter diesem Beitrag wissen.

Euer Nullzinssparer-Michael.

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