Die Woche der Angst

Die Woche der Angst

Korrektur an den Börsen: Kaufen oder Verkaufen?

Eine verrückte Woche an der Börse ist vorbei. Nach gefühlten Ewigkeiten des Wartens und dem Gefühl, dass es wirklich immer nur noch in eine Richtung gehen würde, kam endlich mal etwas Bewegung in den Markt.

Ich möchte das Geschehen grob zusammenfassen und meine Sicht der Dinge dazu mit euch teilen.

Was ist passiert?

Der nachfolgende Chart stellt den Verlauf des S&P 500 der letzten Wochen dar. Jede der Kerzen steht für einen Handelstag. Wie gut zu sehen ist, ging es letzten Freitag bereits etwas nach unten. Diese Abwärtsbewegung setzte sich im Verlauf dieser Woche sogar noch weiter fort. Es handelt sich damit um die schlechteste Börsenwoche seit mehreren Jahren.

Kursverlauf des S&P 500 | Quelle: ariva.de


Der Volatilitäts-Index (VIX), der seit Monaten eigentlich auf einem Rekordtief von unter 10 verlaufen ist, sprang an und schoss in der Spitze auf über 41 Punkte. Er durchbrach damit massiv den 200 Tage-Durchschnitt von 12 Punkten und ging mit 31 Punkten ins Wochenende. Der VIX wird allgemein auch als Angstbarometer bezeichnet. Je höher, desto mehr Preisschwankungen können kurzfristig erwartet werden.

Der VIX-Verlauf in dieser Woche | Quelle: ariva.de

 

10-Jährige US-Staatsanleihen

Die US-Notenbank FED hat die Zinswende in den USA eingeleitet. Die Wirtschaft floriert, die Löhne steigen und der Leitzins wird 2018 mindestens dreimal erhöht werden. Der Zinssatz für US-Staatsanleihen, mit einer Laufzeit von 10 Jahren, steigt in Richtung 3%.

Das bedeutet, dass einkommensorientierte Investoren langsam wieder eine Alternative zum Aktienmarkt bekommen. Wenn es auf Staatsanleihen attraktive Erträge gibt, dann wird sehr viel Geld aus dem Aktienmarkt in den Markt für Staatsanleihen fließen und die Preise für Aktien werden tendenziell weiter fallen. Das ist eine normale Entwicklung, die mit dem Verlauf des allgemeinen Wirtschaftszyklus einhergeht. In den 80er Jahren gab es in der Spitze sogar bis zu 15% Rendite auf US-Staatsanleihen.

Warum auch in den Aktienmarkt investieren, wenn ich für weitaus weniger Risiko den gleichen Ertrag durch Staatsanleihen bekommen kann? Die Befürchtung macht sich langsam breit, dass der Zinssatz für diese Staatsanleihen nun schneller auf 3% und höher steigen könnte, als es viele Marktbeobachter erwartet haben. Das bringt den Aktienmarkt weiter unter Druck.

Zinssatz auf 10-jährige US-Staatsanleihen | Quelle: multpl.com

 

Korrektur oder Crash?

Es ist noch zu früh um von einem Crash zu sprechen. Die Verluste müssten dafür deutlich höher ausfallen. Nachdem die Märkte seit Monaten steil nach oben gegangen sind, war diese Korrektur überfällig und ich halte sie für gesund.

Der Markt hat damit in der zurückliegenden Woche grob die Gewinne wieder abgegeben, die im Januar aufgebaut worden waren.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1987 kam es zu einem historischen Crash und der Markt verlor an einem einzigen Handelstag über 20%. Davon sind wir derzeit allgemein noch weit entfernt.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Wertentwicklung der größten Unternehmen des S&P 500 für die zurückliegende Woche.

Verlustentwicklung für die zurückliegende Woche | Quelle: finviz.com

 

Wie ich mich verhalten habe

Ich sehe diese überfällige Korrektur als etwas Positives. Sie eröffnet seit langem mal wieder die Möglichkeit, einige meiner Positionen aufzustocken. Nachdem ich nun seit Monaten auf „horrenden“ Cash-Bergen sitze, bin ich für diese Kaufgelegenheit sehr dankbar.

Die fundamentalen Wirtschaftsdaten haben sich bislang nicht verändert. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich weiter prächtig. Ich sehe das, bisher zumindest, als kurzfristige Korrektur an, nach welcher der Markt vermutlich wieder weiter steigen wird, solange bis die Wirtschaftsentwicklung stagniert oder bergab geht. Dann könnte ein richtiger Crash kommen. Wann genau das sein wird, weiß aber niemand.

Ich habe diese Woche daher genutzt und einige meiner Positionen deutlich aufgestockt. Natürlich werde ich nicht all mein Cash auf einmal in den Markt werfen, denn es kann auch noch weiter nach unten gehen. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen.

Nächsten Monat werde ich dann wie gewohnt meine Nachkäufe veröffentlichen und auch die Entwicklung meiner Bar-Reserve mit euch teilen.

Kleine Anekdote am Rande

Nachdem am Montag der Markt gefallen war, wollte ich Abends einige Limit-Order bei meinem Online-Broker platzieren, um kräftig nachzukaufen. Allerdings war ich nach einem langen Arbeitstag etwas verwirrt und habe dreimal die falsche TAN eingegeben, da ich die TAN-Liste meiner anderen Bank in der Hand hatte. Danach war mein gesamtes Konto erstmal gesperrt und ich konnte gar nichts machen.

Da hat mich zum ersten Mal richtig der FOMO-Faktor erwischt (Fear Of Missing Out). Ich sah schon die langerwartete und herbeigesehnte Nachkaufgelegenheit an mir vorbeiziehen und war in diesem Moment über meine eigene Dummheit ziemlich wütend.

Nachdem ich am Dienstag 30 Minuten in der Warteschlange der Brokerage-Service-Hotline verbracht habe, konnte mein Konto zum Glück wieder entsperrt werden. Vielen Dank für die schnelle Unterstützung! Die Postbank ist allgemein super in Sachen Servicequalität.

Das folgende Bild beschreibt dieses Schlamassel wohl am besten.

Das Ende von der Geschichte: Ich habe diese Gelegenheit zum Glück trotzdem nutzen können. Das FOMO war umsonst. Insgesamt habe ich in der bisher anhaltenden Schwächephase dreimal nachgekauft und werde es weiter tun, sollte sich der Trend fortsetzen.

Bitcoin Update

Auch wenn dieser Beitrag primär von der Entwicklung an den Aktienmärkten dieser Woche handelt, so möchte ich euch doch nicht vorenthalten, dass ich auch in dieser Woche wieder etwas in Krypto gesteckt habe.

Mein letztes Bitcoin-Investment war im September 2017. Seit dem ging es in bisher ungeahnte Höhen und im Dezember lag der Wert eines Bitcoin fast bei 20.000 USD. Aber es herrschte seit dem etwas Untergangsstimmung im Kryptomarkt und ich habe auch hier mal wieder etwas antizyklisches getan und bei 6.180 USD ein wenig Geld nachgeschoben. Mal schauen, wie es da weiter geht.

Fazit

Das Beitragsbild trifft wohl sehr gut auf den überwiegenden Teil der normalen Privatanleger zu. Viele lassen sich bei den ersten Anzeichen einer Korrektur aus dem Markt fegen und haben ihre Emotionen einfach nicht im Griff.

Wenn es um eines geht an der Börse, dann wohl darum, seine Emotionen im Griff zu haben. Ich kaufe nach, wenn viele andere panisch verkaufen und schnell zur Tür raus wollen. Es ist wichtig, einen langfristigen Zeithorizont zu haben. Kurzfristige Gewinne interessieren mich sowieso nicht.

Langfristig geht der Markt nach oben. Korrekturen sind erstklassige Gelegenheiten, um gute Unternehmen günstig zu kaufen. Man darf sich nicht von der Panik der medialen Berichterstattung und anderer Menschen anstecken lassen.

Ich hoffe auf weiter fallende Kurse.

Wie hast du diese Woche erlebt? Hast du auch nachgekauft oder wartest du noch lieber etwas ab?

Bis bald, euer Nullzinssparer.

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